HERZESSENZ® Schule für Tibetische Heilkunst
Schule für Tibetische Heilkunst

Gedanken zur Organspende

Der aktuelle, neuerliche Vorstoß zur Organspende, die Widerspruchslösung, ist aus vielerlei Gründen höchst bedenklich.

Zum einen soll darin jeder Mensch qua Gesetz gezwungen werden, Organspender zu sein, wenn er dem nicht ausdrücklich zu Lebzeiten widerspricht. Um dies zu tun, muss er aber wissen, worum es geht, er muss das geistige Fassungsvermögen haben und darf nicht minderjährig sein. Was geschieht mit denen, die nicht Nein sagen können?

Zum andern ist Hirntod nicht gleich Tod. Der „Hirntod“ wurde 1968 durch eine Kommission an der Harvard Universität formal zum echten „Tod“ erklärt. Der Zeitpunkt des echten Todes wurde vorverlegt, um Organe entnehmen und verpflanzen zu können. Ein vollständig toter Mensch kann keine Organe mehr spenden, weil diese dann auch „tot“ sind und das Gewebe nicht mehr zu verwenden ist.
Damit wurde der Mensch in seiner letzten empfindlichen Lebensphase zum Ersatzteillager. Es setzte sich die Überzeugung durch, dass der Mensch nichts als Materie sei, die „nach seinem Tod“ bzw. im tatsächlich irreversiblen Koma anderweitig zu verwenden sei.
Doch ist das so?
Besteht der Mensch nur aus Materie, die zerfällt, wenn das – auch materielle - Gehirn nicht mehr arbeitet?
Was, wenn außer Materie noch feinere Strukturen unser Leben ausmachen?
Sitzt unser Bewusstsein im Gehirn und stirbt mit ihm?
Oder ist Bewusstsein, Geist, ein Phänomen, das sich nicht mit Materie erklären lässt?

Indo-tibetische und ostasiatische Philosophien lehren seit Jahrtausenden, dass Bewusstsein auf seinen feinsten Ebenen nicht „stirbt“, sondern auch außerhalb der menschlichen Materie eine subtile Seins-Weise hat.
(Dalai Lama Tod und Unsterblichkeit im Buddhismus; Dzogchen Ponlop Der Geist überwindet den Tod; Francisco Varela Traum, Schlaf, Tod- Grenzbereiche des Bewusstseins)

Solange das Herz schlägt, ist Bewusstsein im Körper. Erst, wenn die Leichenstarre eintritt, ist das Bewusstsein sicher aus dem Körper ausgetreten. Dann erst ist der materielle Anteil des Menschen ein Leichnam. Subtilstes Bewusstsein bleibt jedoch und kreist in einem nie endenden Kreislauf von Leben zu Leben und verstofflicht sich immer wieder neu.

Nach dieser Sicht ist es tatsächlich erlaubter „Mord", bei lebendigem Leibe geschächtet und ausgeblutet zu werden. In Narkose oder Todesangst werden die feinsten Ebenen des Sterbeprozesses nicht erfahren werden, auf denen Läuterung stattfindet.
Nach dem letzten Atemzug bleibt eine „innere Atmung“ aktiv, die Tage andauern kann. In dieser Zeit werden Erfahrungen von Farben, Lichtern und endgültiger Klarheit gemacht.
Im Buddhismus wird dieser Zustand als „Klares Licht“ bezeichnet, ein erleuchteter Zustand, den jedes Wesen erfährt. Wird er nicht erkannt, begeben sich feinste Ebenen des Bewusstseins auf eine „Reise“ zur Wiederverkörperung.
Für die Wiederverkörperung ist es von entscheidender Bedeutung, in welchem Zustand sich das Bewusstsein befand, als es austrat, ruhig und friedlich oder in Panik herumirrend.

Dieser letzte Energiezustand prägt die Richtung der Neu-Verkörperung.
So wie wir sterben, so wird die Verfasstheit unseres Bewusstseins wieder in einem neuen Körper erscheinen.

Daraus folgert, dass gesunde geistige Verfasstheit und Frieden in der Welt zur Bedingung haben, dass der Sterbende den Prozess zu seinem tiefsten Bewusstseinszustand hin ungestört erfahren kann.
Lassen wir Sterbende wirklich sterben und geben wir ihnen nach ihrem letzten Herzschlag eine Zeit der Ruhe, so verhelfen wir ihnen zu einer friedlivollen Neuformung in eine Zukunft, die von Aggressionen befreit werden wird.