HERZESSENZ® Schule für Tibetische Heilkunst
Schule für Tibetische Heilkunst

Tendrel-Einheit in der Dualität

Lharampa Geshe Tarab Tulku XI. wurde 1935 in Tibet geboren und 1939 als reinkarnierter Tulku inthronisiert

 

Lharampa Geshe Tarab Tulku XI
Lharampa Geshe Tarab Tulku XI


1959 musste Tarab Tulku nach Indien fliehen.
Auf Bitten des Dalai Lama ging er 1962 nach Kopenhagen, um in der Tibet-Abteilung der Königlich-Dänischen Bibliothek die Sammlung von Prinz Peter zu sichten und zu übersetzen.
Hier lebte und lehrte er, bis er im September 2004 verstarb.

'In den alten Kulturen diente die Tendrel-Sicht als Grundlage, die Natur der Wirklichkeit und unsere eigene Natur zu verstehen und mit dem eigenen Körper-Geist so umzugehen, dass die bestmöglichen Bedingungen für ein ausgewogenes Fortbestehen der Menschheit und eine harmonische Beziehung zwischen Mensch und Natur geschaffen werden, sodass letztendlich Frieden entstehen kann'.

Sein Lebens-Werk Tendrel - Einheit in der Dualität stellte Tarab Tulku in München 2002 auf der interdisziplinären Konferenz Unity in Duality der westlichen Wissenschaft und dem Schirmherr Seiner Heiligkeit, dem Dalai Lama vor.

Ein Leben lang hatte er ein wissenschaftliches System erarbeitet, das mit Verzicht auf den kulturell-religiösen Hintergrund des Buddhismus dem modernen Menschen des Westens Wege eröffnet, in einer einseitig intellektuell ausgerichteten Alltagswelt seine Persönlichkeit zu entwickeln und deren problematische Strukturen zu transformieren.

 

Tarab Tulku erkannte schnell, wie konzeptuell unser nach außen gerichteter Geist arbeitet.
Als Lharampa Geshe war er naturgemäß mit dem großen Reichtum an Heil-Methoden und Transformations-Praktiken des traditionellen Buddhismus vertraut, die den Geist beruhigen und verfeinern. Aus diesem Schatz essenzialisierte er Methoden und Übungen, die er in vierjährigen Trainings der westlichen Pädagogik und Psychologie vorstellte.

Neben intensiven Studien der vier indo-tibetischen Philosophien beschäftigen sich diese Unterweisungen insbesondere mit Traum- und Imaginationsarbeit, die sich hervorragend für die Transformation problematischer Selbst-Strukturen eignet. Um Wirkungen zu verändern, müssen deren Ursachen verändert werden. Die Ursachen für Aggression, Umweltzerstörung und Selbsthass liegen im Bewusstsein der Menschen selbst, in ihrer Selbst-Identifikation mit einer falschen Sicht von Körper und Bewusstsein, von Subjekt und Objekt.

Wenn wir erkennen, dass zum Beispiel der Sehsinn und das denkende Bewusstsein unterschiedliche Bewusstseinsarten sind und sie somit nicht dasselbe Objekt wahrnehmen, so wird es uns möglich, Projektionen zu erkennen und zurückzunehmen.
Auf diese Weise kann die vom Buddhismus seit Jahrtausenden gelehrte und praktizierte Gewaltlosigkeit tatsächlich in die eigene Sicht und Haltung integriert werden.

Der traditionelle Buddhismus spricht vom Ziel der Auflösung des Selbst. Doch Tarab Tulku erschien dies eher weltfremd angesichts einer Menschheit, die genau dieses Selbst zum Maßstab aller Dinge erhebt und sich dabei zunehmend neurotisiert. Er sah die Notwendigkeit, neue Parameter für ein gesundes Selbst einzuführen.
Er lehrte, wie sowohl Körper als auch Geist verfeinert werden können und auf diese Weise die Wahrnehmung des 'Andern', des 'Außen', verändern. Wir leben in Einheit und Dualität gleichzeitig und brauchen daher nur geeignete Wahrnehmungswerkzeuge, um dies auch zu realisieren.

Indem Tarab Tulku die wechselseitige Durchtränktheit von Einheit und Dualität als universale Gesetzmäßigkeit und immergültige Essenz aus der buddhistischen Weisheitstradition herausschälte, eröffnet er uns eine radikal neue Sicht, unser Selbstpotential zu erkennen und zu erweitern.

Das ist sein großes Vermächtnis.