HERZESSENZ® Schule für Tibetische Heilkunst
Schule für Tibetische Heilkunst

Theateraufführungen

Inzwischen sechs Mal aufgeführt: 2015 bis 2017
in Jade, Bad Vilbel, Bad Nauheim, Kiel, Neuenburg/Varel

Irenes Reise durch Leben und Tod

Wir sehen in diesem Theaterstück unser menschliches Leiden an Krankheit und Tod.
Wir sehen, dass eine Sterbebegleitung die Sterbende in diesem Prozess unterstützt, jedoch nicht nur bis zum letzten Atemzug, sondern weit darüber hinaus, 49 Tage und länger. Warum?
Laut der Tibetischen Medizin-Philosophie stellt der Tod kein Ende dar, sondern einen Übergang im Kreislauf von Leben, Tod und Leben. Eine allerfeinste Ebene von Bewusstsein ist unzerstörbar und kann niemals sterben.
Diese Art "Gewahrsein" wird nach dem Tod unter bestimmten Bedingungen zu einem "Geistkörper", der außerhalb des Körpers eine dramatische Reise unternimmt, durch einen Zwischenzustand hindurch zu neuem Leben.
Der Zwischenzustand wird BARDO genannt und verläuft in drei Phasen, die im Normalfall mit einer neuen Verkörperung enden.
Die erste Phase, der Bardo des Augenblickes vor dem Tod, beginnt mit der Auflösung der körperlichen Funktionen sowie der äußeren Atmung. Das sich noch im Körper befindende Bewusstsein erfährt daraufhin die Beendigung der inneren Atmung als Weiße, Röte und Schwärze und wird schließlich aus dem Körper ausgeschleudert, der damit zum Leichnam wird.
Die zweite Phase, der Bardo der Dharmata (Wahrheit), wird als ein totales Geist-Feld von Einheit erfahren, als absolute Wahrheit von allem, was ist.
Diese Erfahrung wird Klares Licht genannt, das aber nur von einem Gewahrsein erkannt wird, das die gewaltige Energie-Monstranz zu Lebzeiten in spiritueller Praxis erfahren hat. Ungeübten wird diese Erfahrung derartige Angst einjagen, dass sie in Ohnmacht fallen.
Es ist wie in einem Traum, in dem wir nicht wissen, dass wir träumen: alles geschieht im Feld des eigenen Geistes und dennoch meinen wir, die Angreifer existierten außerhalb von uns und würden uns tatsächlich bedrohen.
So ist es auch mit Irene in unserem Stück: sie fällt in Ohnmacht und kann das Klare Licht als Befreiung aus allem Leid nicht erkennen. Unbewusst wie ein Schlafwandler findet sie sich auf einem halsbrecherischen Pfad wieder, auf der Gratwanderung zwischen den sechs Bereichen der Wiedergeburt und der Befreiung in die Buddhaschaft.

Doch sie erkennt ihre eigenen Projektionen nicht, erkennt nicht, dass die Gratwanderung in ihrem eigenen Geist stattfindet. Wie im Traum erscheinen ihr die sechs Bereiche realer und auch verlockender als die Klarheit der Buddhaschaft.
Da sie in der Ohnmacht den Kontakt mit dem eigenen Geistfeld verloren hat, scheinen ihr die Dinge wieder von Außen entgegenzukommen.

Die sechs Bereiche der Wiedergeburt sind Energiefelder,

mit denen wir als Menschen durch unsere jeweiligen Emotionen in Verbindung stehen:
Die Götterwelt frönt einem festen Ich und kennt kein Leid, auch kein Mit-Leid.
Die eifersüchtigen Götter haben den Glauben an Unsterblichkeit verloren, da sie sterben müssen, das macht sie intrigant und misstrauisch.
In der Menschenwelt herrschen Stolz und Leidenschaft, die aber in verbindende Kraft transformiert werden sollten. Nur der Mensch kann Spiritualität entwickeln.
Die Welt der hungrigen Geister lebt in steter unstillbarer Gier.
Die Welt der Tiere besteht aus Gewohnheit und Dumpfheit, ohne Ethik, Ideale und Humor. Die Hölle ist heiß und kalt und fürchterlich, es herrschen Paranoia, Angst und Qual.

Die Projektionen auf der Gratwanderung des Bardo erreichen ihren Höhepunkt vor dem "Herrn des Todes". Auch die Erscheinung dieses Gerichts ist kein äußeres Spektakel, sondern Ausdruck des eigenen Gewissens, was Irene wiederum nicht erkennt.

In der dritten Phase, dem Bardo des Werdens, weicht die Ohnmacht.
Aus dem Ego (der Seele??) und einigen Gewohnheits-Strukturen des Charakters bildet sich ein Geistkörper. Ähnlich dem Traumkörper kann er durch Wände gehen und durch Gedankenkraft sofort an jeden Ort gelangen.
Dieser Bardo ist äußerst beängstigend und schmerzhaft und so sehnt sich der Geistkörper immer drängender nach einer materiellen Stütze, bis er verzweifelt irgendeinen Körper der Wiedergeburt annimmt.

Weil Energie immer wieder zu Materie gerinnt, ist es so entscheidend wichtig, im Leben mit den Emotionen, den Prägungen, den Träumen zu arbeiten, um im Tode nicht die Albträume der sechs Bereiche zu erfahren.
Im Theaterstück schafft es Irene aufgrund ihrer Übung und der Unterstützung der Sterbebegleitung, in einem kostbaren menschlichen Körper wiedergeboren zu werden. Denn nur als Menschen können wir erkennen, dass alles in einem einzigen Geistfeld der Einheit existiert und sich unaufhörlich heraus- und hineinbewegt und somit unsere Welt nichts anderes ist als die nach außen gestülpte Vielfalt ein und derselben Einheit.

Traditionell wird dem Bewusstsein der Verstorbenen das Totenbuch vorgelesen, damit sie sich erinnern. Doch auch die Lebenden werden gemahnt, sich durch Versenkung und Meditation auf den Tod vorzubereiten, um das Klare Licht zu kennen und wiederzuerkennen und in ihm gegründet, eine wahre Welt der Ethik und der Liebe zu schaffen und zu erhalten.

Das Stück wird aufgeführt vom Mit-Sein e.V., einer Laienspielgruppe von Sterbebegleitern, ausgebildet in der Schule für Tibetische Heilkunst

Alle Zitate im Stück sind dem Tibetischen Totenbuch entnommen.

Spirituelle Sterbebegleitung